Alumni Club Berlin-Brandenburg beim Suhrkamp Verlag

Montag, 24. September 2018 | 

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Alumna Dr. Petra Hardt öffnet ihre Schatzkiste und präsentiert eine lebendige Verlagsgeschichte.

Noch belegt der Suhrkamp Verlag die oberen drei Etagen des ehemaligen Finanzamtes in Prenzlauer Berg (Pappelallee 78). Doch in den hellen Büros mit den bunten Suhrkamp Büchern an den Wänden warten schon die Umzugskartons. 

Sobald das eigene Haus in Mitte fertig ist, zieht die Zentrale in die Torstraße, Ecke Rosa-Luxemburgstraße.
Das große Porträt Siegfried Unselds von Andy Warhol dürfte auch in den neuen Räumen wirksam platziert werden, um den Geist des Leiters, der den Verlag 1959 nach dem Tod von Peter Suhrkamp übernommen hatte, weiterhin in die Zukunft zu tragen. Noch blickt der „Mentor und väterliche Freund“, wie Alumna Petra Hardt ihn nennt, über den Besprechungstisch, als würde er über die Geschichte wachen. Petra Hardt war noch einige Jahre unter Unseld tätig und kann persönliche Anekdoten zum besten geben.

Lebendig berichtet sie über ihre Arbeit. Dazu werden Wein und ein kleiner Imbiss gereicht. Von Beginn an hat die zierliche Blonde ihre Gäste in den Bann gezogen. Petra Hardt blickt auf bald 40 Jahre Erfahrung in der Branche zurück – davon über die Hälfte bei Suhrkamp. „Suhrkamp ist bis heute ein Autorenverlag“, referiert die promovierte Romanistin. „Unsere Schatzkiste – u.a. gefüllt mit Rechten von Bertold Brecht und Hermann Hesse – bildet das Stammkapital des Verlags. Autoren dieses Formats standen von Anfang an bei Suhrkamp unter Vertrag und geben ihm bis heute ein literarisches Gesicht.“

Alumna Hardt hat über die Jahrzehnte ein sensibles geschäftliches Gespür für Rechte und Lizenzen entwickelt. Kein Jurastudium, sondern die Liebe zur Literatur brachte sie dazu. Als Schülerin erfuhr sie im Deutschunterricht, was Verlage eigentlich tun, und war begeistert. Ihr Berufswunsch stand fest. Die 1954 geborene Bornheimerin studierte Romanistik in Freiburg und wurde mit 26 Jahren über die Lyrik der französischen Resistance promoviert.„Ich wollte nie Lektorin sein“, erzählt sie. „Zu entscheiden, welches der 40 bis 50 täglich unverlangt eingesandten Manuskripte es wert sind, ein Buch zu werden, ist nicht meine Sache.“ So schätzt sie, dass der Suhrkamp Verlag bis heute für jede Abteilung ein Team von Expertinnen und Experten beschäftigt, „mit denen die Diskussionen stets fruchtbar sind.“ Ihre Erfahrungen und Kenntnisse gibt sie auch auf Messen, in Netzwerken und über Vorträge und Lehrbücher weiter.

Infolge der legendären, im Jahre 2000 verstorbenen Helene Ritzerfeld, war Alumna Hardt Jahre lang die Hüterin des Schatzes der Autorenrechte. Inzwischen hat sie die Leitung der Abteilung Rechte und Lizenzen an ihre Nachfolgerin übergeben. Um den Übergang der Generationen aktiv zu begleiten. „Nun berate ich – falls nötig – aus der zweiten Reihe und kann ein paar Gänge runterschalten.“ Gleichwohl blickt sie dem Ende ihrer Berufstätigkeit bei Suhrkamp energisch entgegen, so leidenschaftlich wie auch ihr Vortrag war. Sie hat sich für die Rente viel vorgenommen, was keiner in der Runde der 40 Interessierten aus dem Alumni-Club Berlin-Brandenburg bezweifelt.
Begeistert greifen wir zu den Büchern, die wir als Erinnerung an diesen spannenden Abend mit nach Hause nehmen dürfen.

Text/Foto: Dr. Silke Engel

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Ein Kommentar

  1. Der Suhrkamp-Verlag finanziert sich doch über die Klassiker von Hesse und Brecht. Neue Autoren bringen kaum Umsatz. Das Konzept Verlag muss überdacht werden, ansonsten wird es solche Verlage in 10 Jahre nicht mehr geben. Die Digitalisierung wird immer stärker werden und Selbstverlage habe lange noch nicht Zenit erreicht!

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