Mord und Totschlag im Schwarzwald

Freitag, 2. Juni 2017 | 

Der Schwarzwald war nicht immer das idyllische Touristenparadies, das er heute ist. Der schwarze Wald, so genannt wegen der dunklen Tannen, war seit Jahrhunderten auch Schauplatz realer und mystischer Verbrechen. In 24 Kriminal-Kurzgeschichten, die von Alumna Anne Grießer im Band  “Tannenduft & Totenglocken” zusammengestellt wurden, verarbeiteten die Teilnehmer des Freiburger Krimipreises 2016 diese dunkle reale und fiktive Vergangenheit der Freiburger Region.

Anne Grießer (Hrsg.) "Tannenduft und Totenglocken"
Anne Grießer (Hrsg.) “Tannenduft und Totenglocken”, Wellhöfer Verlag, 328 Seiten, 12,95€

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Wettbewerbs um den Freiburger Krimipreis 2016, darunter die Freiburger Alumni Anne Grießer, Frank Borsch und Ulrike Halbe-Bauer, hatten die Aufgabe historische Kurzkrimis mit regionalem Bezug zu schreiben.  Und so zeigen die in “Tannenduft & Totenglocken” gesammelten Kurzgeschichten den Schwarzwald als Kulisse für Mord und Totschlag. Die unterhaltsamen Krimis schlagen einen zeitlichen Bogen von der Frühsteinzeit bis in das unlängst vergangene 20. Jahrhundert. Jeder Geschichte wird ein Kapitel “Historische Hintergründe” hinzugefügt, das dem Leser einen Einblick in die Zeit gibt, die Tatorte vorstellt und auch verrät, ob die erzählte Geschichte einen historischen Hintergrund hat.

Anne Grießer, die Herausgeberin von “Tannenduft & Totenglocken”, steuerte die  Kurzgeschichte “Die Irrfahrten des Melchior Rinderle” bei: Neid und Missgunst treiben die Hauptfigur Andreas Rinderle zum Verbrechen gegen seinen verträumten, doch allseits beliebten Bruder Melchior. Das Erblinden des Vaters, der Ende des 17. Jahrhunderts Besitzer einer kleinen Schneflerei – eine Art Schnitzerbetrieb – in Alpirsbach  ist, führt zur verfrühten Regelung der Erbverhältnisse. Obwohl Andreas als leiblicher Sohn und zuverlässigerer Schnefler den Betrieb erbt, beneidet er den kreativen Melchior um die Aufgabe, die ihm der Vater zugedacht hat. Dieser soll als Glasträger in die weite Welt hinaus ziehen. Als Andreas  dem mit Glaswaren beladenen Melchior am Morgen seines Aufbruchs an einem Steilhang mit einem Stolperseil auflauert, scheint die Geschichte der Brüder ihren Lauf zu nehmen. Doch manchmal geht das Schicksal seine eigenen Wege.

In einer völlig anderen Szenerie spielt sich Frank Borschs “Goldstadt” ab. Der einarmige Trümmerräumer Werner träumt im 1945 zerbombten Pforzheim – wegen der vielen Juweliere Goldstadt genannt – von einem besseren Leben in Amerika, von Glenn Millers “American Patrol” und dem Highway No. 1. Mit einem Plan im Kopf nimmt er den ausgehungerten Hans unter seine Fittiche und erzählt ihm von einem geheimen Schatz.

Ulrike Halbe-Bauer schildert in “Tod am Wolfsgumpen” die harte Kinderarbeit im 19. Jahrhundert. Konrad, der Protagonist der Geschichte, kann seinem Leben trotz der täglichen 12-stündigen Arbeitszeit durch den Besuch der Nachtschule noch eine erfolgreiche Wendung geben. Doch der Tod des Onkels bleibt ihm immer ein Rätsel.

“Tannenduft & Totenglocken” ist die ideale Lektüre für Schwarzwaldurlauber und alle Badener, die ihre Heimat auf spannende Weise näher kennen lernen möchten.

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