Nikolaus Piper – “Wir Untertanen. Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken”

Dienstag, 5. November 2019 | 

Wie viel Freiheit besitzen wir, wenn antiliberale und illiberale Tendenzen längst auf dem Vormarsch sind? Alumnus Nikolaus Piper beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Wir Untertanen. Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken“ mit dem umstrittenen Begriff des Neoliberalismus und fordert eine Erneuerung liberalen Denkens.

Die rasanten Veränderungen in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Migration, so Piper, werden von vielen als Kontroll- oder Heimatverlust verstanden. Hierdurch entstehen Haltungen, die dem Liberalismus abschwören und eine Gefahr für die Freiheit darstellen, die nicht nur von der politischen Rechten ausgehe. Auch von links sieht Nikolaus Piper diese bedroht. In seinem Buch setzt er sich intensiv mit dem Begriff des Neoliberalismus auseinander und analysiert ihn kritisch, um ihn vor dem Hintergrund aktueller Themen und Problematiken neu zu definieren.

„Wir Untertanen. Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken“ von Nikolaus Piper, Rowohlt Verlag, 160 Seiten, 20,00€.

In sechs anregenden Kapiteln, die sich jeweils mit Kernthematiken aktueller gesellschaftlicher Debatten auseinandersetzen, plädiert Piper für gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Freiheit durch einen erneuerten Liberalismus. Die Geschichte des Neoliberalismus wird hierbei zentral behandelt – Piper führt die negativen Konnotationen des Neoliberalen an, um gleichermaßen Möglichkeiten zu erläutern, wie aus alten Fehlern gelernt und positive Veränderungen herbeigeführt werden können. Hierfür brauche es zum einen öffentliche Räume für Austausch, Begegnung und respektvollen Dialog, denn es sei leicht geworden, sich mit den Möglichkeiten, durch das Internet an Informationen zu gelangen, in eine Filterblase zurückzuziehen: „Aus der Freiheit, seine Meinung zu sagen, ist die Freiheit geworden, andere Meinungen nicht hören zu müssen. Der öffentliche Raum leert sich und ein Stück Demokratie verschwindet“.

Weiterhin nennt Nikolaus Piper dynamische, freie und offene Märkte als Möglichkeit, Fehler des Kapitalismus in Hinblick auf den Klimawandel zu erkennen und Lösungen für ein umweltfreundlicheres Handeln zu finden. Auch das Thema der sozialen Gerechtigkeit, die für Piper Chancengerechtigkeit voraussetze, wird anhand gegenwärtiger Beispiele behandelt. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Vermögen der Eltern solle jeder gleiche Startbedingungen haben. Diese grundliberale Einstellung lasse sich auch auf den Umgang mit Migration anwenden und manifestiert sich laut Piper in einem Spannungsfeld zwischen universellen Menschenrechten und der gleichzeitigen Durchsetzung nationalstaatlicher Rechte. Für ihn steht fest: „Eine offene Gesellschaft braucht eine humane, aber pragmatische Migrationspolitik, mit klaren Regeln, die auch die eigenen Interessen klarmachen“. In all diesem dürfe Angst nicht die treibende Kraft sein.

Piper liefert in „Wir Untertanen“ präzise Anstöße für eine liberale Gesellschaft, die in Anbetracht der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage zum Nachdenken anregen. Ein lesenswertes Buch am Puls der Zeit mit der Botschaft: „Die persönliche Freiheit ist der Schlüssel zu allem“.

Nikolaus Piper. Foto: © Altair de Bruin

Nikolaus Piper studierte von 1973 bis 1978 Wirtschaftswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ab 1987 arbeitete er bei der Zeit in Hamburg, wo er sich mit dem ökonomischen Zusammenbruch des sowjetischen Systems und dem marktwirtschaftlichen Neuaufbau in Osteuropa beschäftigte. Piper war langjähriger Leiter des Wirtschaftsressorts sowie USA-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Seit seiner Pensionierung ist er nach wie vor als Autor für die SZ tätig. 2001 gewann Nikolaus Piper den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher, unter anderem „Die Geschichte der Wirtschaft“, für das er 2003 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, oder „Die Große Rezession“ zur Finanzkrise, das 2009 als Wirtschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet wurde. „Wir Untertanen. Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken“ erschien im April 2019 im Rowohlt Verlag.

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Ein Kommentar

  1. 1
    Irene 

    Ich schreibe meine Dissertation zu den Werken dieses Autors.

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